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Medien

Wir leben in einer herrlichen Zeit. Auf gewisse Art und Weise. Informationen, Quellen, Dienstleistungen und auch Leute stehen uns dank digitaler Medien 24/7 weltweit zur Verfügung. Anruf mit einem Freund aus Japan ist durch zwei Mausklicks machbar, erwünschte Information finden wir mit Hilfe von einem Stichwort, das wir in Suchfeld eingeben.

Internet bemüht sich vom Anfang an um Verbinden. Deswegen ist es merkwürdig, dass sich laut vielen Erforschungen immer mehr Menschen einsam fühlen. Neue Medien überwältigen uns unerbittlich. Bevor wir uns an Facebook gewöhnen, sind bereits andere soziale Netzwerke hoch im Kurs. Die Online-Welt greift in unsere Leben immer mehr ein und deshalb ist es kaum zu wundern, dass sie in uns gewisse Zerrissenheit hinterlassen kann. Aber es ging bereits weiter. Neulich sprechen wir von Beklemmungen, Depression, Isolation, Süchtigkeit, Filterblasen und von anderen nicht gerade positiven Begriffen, die mit digitalen Medien verbunden sind.

Aus diesem Grund ist es heutzutage mehr als notwendig, gewisse Art und Weise zu suchen, wie sich Leute verstehen können. Wie kann man ein positives Potenzial dieser Technologien und sozialer Netzwerke zu Gunsten der gegenseitigen Kommunikation und Teilen nutzen? Auf jeden Fall können wir alles Negatives auf Technologien abwälzen. Das wäre eine bequeme Variante. Aber wir betrachten doch Medien nur als ein bestimmtes Mittel. Wir selber bestimmen, wie es benutzt wird. Oder ob wir uns ausnutzen lassen.

In diesem Artikel versuche ich einige Probleme festzulegen, die unsere Kommunikation per digitale Medien verhindern. Weiter möchte ich zeigen, wie man von Medien unbeeinflusst bleiben kann. Als wichtiger Ausgangspunkt wird mir dabei das Werk von Medientheoretiker und Philosopher Douglas Rushkoff und meine eigene Erfahrung als Online-Marketer dienen.

Program or be Programmed: Ten Commands for a Digital Age (2010)

Douglas Rushkoff bringt in seinem Buch Program or be Programmed eine Debatte über Vorteile und Nachteile des Internets in Gang. Er weist auf die bloße Tatsache hin, dass das Internet ohne Zweifel existiert – und zwar überall. Er stellt sich die grundlegende Frage, ob es wir sind, der die Technologien beherrscht oder ob die Technologien uns beherrschen, und zwar einschließlich ihrer Verwalter. Entweder gewinnen Sie Zugang zum Steuerpult der Zivilisation, oder Sie machen Ihre letzte wirkliche Wahl, über die Sie entscheiden dürfen.

Wenn Worte zu wenig sind

Unsere Freunde sind für uns heutzutage immer verfügbar. Soweit wir von Online-Kommunikation reden. Auf einer Seite ist das toll. Wir können schnell wichtige Informationen weiterleiten oder Fernarbeit zu leisten. Das Problem entsteht im Moment, wenn virtuelle Kommunikation die reale ersetzt. Z. B. wenn wir Treffen mit einem Freund absagen und lieber zu Hause bleiben, um mit mehr Freunden auf einmal zu chatten.

Damit hängen weitere Probleme zusammen. Erstens, laut Albert Mehrabian, Professor der Psychologie an UCLA, läuft nur 7 % der zwischenmenschlichen Kommunikation über Worte, 38 % über Intonation und 55 % über Körpersprache. Die schriftliche (online) Kommunikation stellt nur einen schwachen Ersatz des realen Gesprächs dar und kann zu Missverständnissen führen, egal ob sachlichen oder emotionellen. Deswegen dürfen wir niemandem vorwerfen, dass er uns nicht versteht, falls wir vorher nur schriftlich kommuniziert haben.

Ein weiteres Problem ist die Unechtheit der virtuellen Kommunikation, die uns isoliert. Es ist bequemer mit jemandem per Chat-Fenster zu kommunizieren. Wenn es uns nicht mehr Spaß macht, machen wir das Fenster einfach zu. Wir können sogar mit mehr Leuten auf einmal chatten, dabei noch Musik hören oder sich einen Film anschauen. Das ist im realen Leben nicht denkbar, denn da müssen wir uns konzentrieren, wahrnehmen, was der andere sagt, und auf gewisse Art und Weise reagieren. Damit bauen wir eine wirkliche Gegenseitigkeit und Beziehungen.

Leider breiten sich die coolen Online-Kommunikationsarten eher im realen Leben aus als umgekehrt. Sie haben es bestimmt mal erlebt: Sie gehen mit jemandem Kaffee trinken, aber er checkt immer nur das Handy und tippt irgendwas. Sie haben dann das Gefühl, dass Sie für den anderen nicht genug interessant sind und die Verbindung verschwindet. Ganz zu schweigen von Situationen, wenn sich Freunde treffen, aber jeder checkt lieber sein Handy, als mit anderen zu reden.

Online-Kommunikation ist eine ideale Art und Weise, wie man Informationen schnell verbreiten oder Fernbeziehungen überstehen kann. Nie sollte sie aber die reale Kommunikation ersetzen. Lassen Sie sich nicht um wirkliche Beziehungen und Verbindung mit Ihren Freunden zu Gunsten der virtuellen bringen.

Wenn wir nicht mehr wir sind

Die Internet-Welt gibt uns einflussreichere Macht als je bevor. Dank ihr können wir Online-Identität gestalten. Wir haben die Möglichkeit für uns auszuwählen, wie und was wir im Netz veröffentlichen. Beim Scrollen im Instagram-Feed hat man manchmal das Gefühl, als wäre die Welt ein großes Disneyland. Was wir da sehen, ist aber kaum als reales Leben zu bezeichnen.

Klar, das ist natürlich nichts Neues unter der Sonne, aber obwohl wir alle dessen bewusst sind, lassen wir uns sowieso davon beeinflussen. Entweder fragen wir uns selber, was für ein Leben wir führen, wenn wir es mit Beiträgen von unseren virtuellen Freunden vergleichen – Reisen, Essen, muskulöse Körper, erfolgreiche Unternehmen, Hochzeiten, erste Babys… Oder wir gestalten selber eigene Online-Identität, eigenes Image für die Welt. Wie können wir aber erwarten, dass wir in solcher Welt reale Beziehungen mit realen Personen aufbauen?

Es ist selbstverständlich nicht falsch, wenn man Fotos vom Urlaub oder Hochzeit teilt. Aber die Sucht nach Likes und Shares darf nicht Sinn unserer Existenz werden. Denn es wird immer jemanden geben, der mehr reist, ein erfolgreicheres Unternehmen besitzt und einen muskulöseren Körper hat. Diese Eindrücke können in uns einfach eine Depression auslösen, falls wir uns ständig mit den genannten Extremen vergleichen. Und die sozialen Netzwerke werden gerade zu Gunsten der Extreme entwickelt.

Soziale Netzwerke zeigen uns meisten nur das Schöne. Wir sehen ein Foto, wie jemand am Strand auf den Philippinen arbeitet und gleich werden wir sauer, weil wir im Büro stecken müssen. Was wir darin nicht sehen, ist die Einsamkeit und Heimweh nach Freunden und Familie, die die Person auf dem Bild vielleicht gerade erlebt. Dieses Detail erkennt man erst beim realen Gespräch.

Mit Online-Identität hängt auch die Möglichkeit zusammen, anonym zu werden. Wenn ich im Theater plötzlich aufstehen würde und sage, die Schauspieler seien peinlich und das Stück sei Scheiße, dann würde ich wohl hinausgeführt und dürfte nie wieder das Theater betreten. Höchstwahrscheinlich würde mir jemand ein Paar aufs Maul hauen. In der Online-Welt können wir dagegen andere Leute sehr einfach beschimpfen. Wir sind anonym, weit entfernt, daheim und in Sicherheit. Im realen Leben beachten wir (meistens) gute Manieren und höffliches Verhalten, im Gegensatz dazu benehmen sich in der Online-Welt viele Leute als Büffel.

Viele Webseiten haben gegen dieses Problem gekämpft. Die toxische Kommunität hat nämlich ihre Besucher abgebracht. Als eine gute Lösung zeigte sich das Punkt-System, dank dem der unhöfliche Benutzer an Rating verlieren konnte. Es ging um keinen sozialen Status, aber z. B. um Bewertung seines Profils, und gerade das hatte einen wunderkräftigen Effekt.

Online-Welt sollte nicht ein Platz werden, wo wir in der Masse verschwinden und wo wir unseren Frust abreagieren. Wir sollten immer unter unserer eigenen Identität handeln, selbstverständlich ausgenommen von Fällen, wenn uns z. B. Gefahr seitens der Regierung droht. Wir sollten unsere eigenen Meinungen Vertreten und bereit sein, die Verantwortung dafür zu übernehmen.

Wenn es an der Wahrheit nicht liegt

Mit dem Einzug von Internet hat sich viel verändert, vor allem Vertrieb von Informationen. Früher war klar bestimmt, wer ist der Vertreiber der Inhalte und wer ist der Konsument, egal ob wir über Bücher, Zeitungen, Rundfunk oder Fernsehen sprechen. Im Internet kann jeder ein Vertreiber werden. Das hat mit sich natürlich auch Vorteile gebracht. Zum Beispiel erhalten wir Informationen aus erster Hand von Personen, die sich auf der anderen Seite der Welt befinden, und große Menge an interessanten Inhalten von Experten aus unterschiedlichsten Fächern ist für alle einfach verfügbar.

Auf der anderen Seite führt es dazu, dass alle Leute eigene Meinungen veröffentlichen können. Auch wenn sie unbegründet, sinnlos oder radikal sind. Schon immer hatten Leute eigene Ansichten, aber erst heutzutage kann eine Meinung sehr einfach ein Stützpunkt für Tausende werden. Und das ist schon gefährlich, besonders wenn für die Meinung niemand Verantwortung übernimmt. Leute veröffentlichen ihre Meinungen, weil sie davon überzeugt sind, dass sie darauf Recht haben. Das ist zwar wahr, aber mit Freiheit sind auch bestimmte Verpflichtungen verbunden (oder sollten sein). Alles, was wir in der Online-Welt teilen, ist unsere Verantwortung. Es kann nicht nur uns, sondern auch andere Leute beeinflussen.

Ich habe bereits erwähnt, dass soziale Netzwerke zu Gunsten der Extremen entwickelt wurden. D. h. extreme Ansichten verbreiten sich durch soziale Netzwerke viel schneller, als bedachte Meinungen. Egal ob sie positive oder negative Reaktionen auslösen, jede Reaktion vergrößert ihre Reichweite.

Soziale Netzwerke wurden nicht entwickelt, um Leute auszubilden und objektive Realität zu widerspiegeln. Ihr einziges Ziel ist – unsere Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten. Uns zu amüsieren. Sie sind Freunde, die sich bei uns immer anbiedern. Solche Freunde sagen uns nie objektive Wahrheit, die uns sauer macht oder mit der wir nicht einverstanden sind.

Das bringt uns aber nicht weiter. Es bekräftigt uns nur in unseren Meinungen und wir bauen dann unbewusst die Filterblasen – kleine Welten voll von Menschen, die von ihrer eigenen Wahrheit hundertprozentig überzeugt sind und gar nicht begreifen, wie jemand eine andere Wahrheit behaupten kann. Jede solche Filterblase entsteht durch Lieferung von Inhalten, die ihren Meinungen entsprechen. Darum kümmern sich schon Algorithmen von Suchmaschinen und sozialen Netzwerken. Alles zur maximalen Zufriedenheit.

Es ist deshalb nötig, sich immer zu bemühen, die Filterblasen zum Platzen zu bringen, die Argumente der Gegenseite zu recherchieren und ein Gesamtbild der Situation zu gestalten. Denn niemand hat nie hundert Prozent Recht.

Schlussthese

Internet und digitale Medien sind unsere Leben so rasch und mit so mächtiger Intensität betreten, dass wir uns nicht sicher sind, welche Stellung wir gegenüber nehmen sollten. Schließlich besteht es wieder darin, wie wir die Medien behandeln. Wir können ihre Vorteile ausnutzen, aber gleichzeitig können davon unsere Leben und Stellungnahmen deformiert werden.

Es gibt viele kontroverse Themen, die mit Medien im negativen Sinne verbunden sind. Ich habe nur ein Paar von den wichtigsten erwähnt, über die man gleich nachdenken kann und vielleicht auch etwas in seinem Leben ändern. Verbinden wir Leute, teilen wir begründete Informationen und vielleicht lösen wir eines Tages auch die Frage: Wie können wir uns verstehen?

Lukáš Pokorný